Der Ablauf der Nassereither Fasnacht

Bereits ab dem Dreikönigstag (Vollversammlung) steht wieder das ganze Dorf im Banne dieses großen Ereignisses. Überall wird gearbeitet, Wagen werden gebaut, die Frauen verbringen die Tage und Nächte für das Nähen und Herrichten der Kostüme, die Aktiven sind fleißig beim Proben, kurz gesagt alles arbeitet auf den großen Tag, das Schellerlaufens hin.

Die Vollversammlung:

Am Abend des Dreikönigtages findet die Vollversammlung statt.Imbis zum letzten Platz gefüllten Gemeindesaal warten mehrere hundert Burschen und Männer auf den Beginn der Versammlung. Nun wird vom Fasnachtsobmann traditionell die Frage gestellt: Gemmer huire i d' Fasnacht. Ein donnerndes "Ja" aus einigen hundert Kehlen ist die Antwort. Nun werden die einzelnen Rollen verlost. In Nassereith ist es seit jeher der Brauch, dass die Hauptrollen nicht immer von den gleichen Personen verkörpert werden, sondern dass eben das Los entscheidet!

Das Fasnachtssuache:

Am Sonntag nach dem Dreikönigstag findet das „Fasnachtsuchen“ statt. Am Abend versammeln
sich die Masken im Gemeindehaus bewegt sich der Zug in Richtung Majenbrunnen. Als Fasnachtsucher betätigen sich weit über 250 Masken, es gibt Ingenieure, Mineure, Sprengmeister, Vermesser, Arbeiter die die Fasnacht mit Pickeln, Schaufeln, Hauen, Rechen oder anderen Geräten aus der Erde oder aus dem Schnee graben wollen. Auch mit einem Pflug wird versucht die Fasnacht aus dem Boden zu ackern.
Nach mühevollen Suchen und harter Arbeit ist es dann dort soweit, unter einem Schneehaufen oder einem anderen Versteck wird die Fasnacht in Form einen kleinen Ruaßlers gefunden. Sie wird mit einem tosenden „ Autuppete hö“ begrüßt.

Das Schalleprobiere:

Am Sonntag vor dem Schellerlaufen ist am Abend das Schellenprobieren. Es werden aber nicht nur die Schellen probiert, auch viele andere Masken nehmen daran teil. Ruaßler schleichen durch die nächtlichen Straßen, Die Schnöller kommen aus dem Haus und beginnen ihre lärmerzeugende Tätigkeit, ihnen folgen die Sackner, die für das Platzmachen verantwortlich sind.
Auch ein Nachtwächter ist mit von der Partie und ruft wie seinerzeit üblich im Dorf, die Stunden aus, seine Sprüche sind aber auch mit Begebenheiten aus dem Dorfleben gewürzt.

Der Tag vor dem Schellerlaufen:

Der Samstag vor dem Schellerlaufen ist geprägt von viel Hektik, Nervosität und Vorfreude. „Wia weards Wetter“ ist wahrscheinlich die an diesem Tag am meisten gebrauchte Redewendung.

Die letzten Vorbereitungen werden getroffen, das Dorf noch einmal gesäubert. Die Wagen fahren aus den Stadeln oder Schupfen und sind das erste Mal bei Tageslicht zu bestaunen. Die Gewänder und Kostüme werden einer letzten Überprüfung unterzogen, letzte Besprechungen abgehalten und dann heißt es warten - warten auf das Wetter, ein fast unerträglicher Zustand.

Das Umschlagen in der Nacht:

Die Nacht vor dem Schellerlaufen. Alles fiebert dem nächsten Tag entgegen. Es ist Mitternacht, plötzlich hört man aus dem Dorf ungeheuren Lärm, Lärm und Musik die jeder von uns kennt, und welche trotz ihrer einfachen Weise jeden von uns erregt: das Umschlagen. Mit Hafendeckeln, Kübeln, alten Pfannen und Töpfen Hörnern und anderen Instrumenten schlagen, trommeln und blasen die Teilnehmer den alten Rhythmus. Hunderte Menschen sind unterwegs, überwiegend maskiert in den absurdesten Verkleidungen, manche verschwinden in den Häusern um sich zu wärmen und zu stärken, kommen nach kurzer Zeit wieder. Das Umschlagen in der Nacht ist die einzige Veranstaltung an der auch Frauen mitwirken dürfen. Bis zum Morgengrauen hört man diesen Rhythmus – dann herrscht Ruhe im Dorf.

Die Aktiven, die beim Schellerlaufen mitmachen, finden natürlich früher in die Federn, Ihnen steht ein unvergesslicher, aber auch anstrengender Tag bevor.

Das Umschlagen am Morgen des Schellerlaufens:

Am Morgen nach der Frühmesse wird es im Dorf wieder lebendig, die Ruaßler sieht man wieder auf den Straßen und verschiedene Masken in sammeln sich wieder im Gemeindehaus.
Die Ruaßler versuchen die zahlreich anwesenden Besucher und Zuschauer zu ruaßeln, die meisten haben einen schwarzen Strich im Gesicht. Wieder wird umgeschlagen, diesmal geordnet, der Zug bewegt sich zum Majenbrunnen, dort wird Prinz Karneval empfangen, der aus der weiten Welt ins Gurgltal nach Nassereith gekommen ist. Er begrüßt die Anwesenden und verkündet das Programm des Tages in beredten Worten. Der Zug zieht nun zum Postplatz, dort wird durch den Prinzen, der in einer Kutsche unterwegs ist, nochmals das Programm verkündet. Rasch löst sich der Zug auf, jeder hat es eilig sich auf das große Fest vorzubereiten.

Der Aufzug der Masken:

Ab ca. 09:45 Uhr sieht man zahlreiche Masken scheinbar planlos durch das Dorf gehen, dem ist aber nicht so, jeder strebt seinem Sammelort zu. Die „Schiene“ begeben sich zum „Kastnerhaus“ am Majenbrunnen wo dem Scheller die schweren Schellen angelegt werden. Eine Gruppe nach der anderen zieht von dort zum Hotel Post. Zu einer Gruppe gehören Kehrer, Roller, Scheller, Maje, Sackner, Spritzer und Paarle. Manche Sackner führen beim Aufzug originelle Gefährte oder Geräte mit sich. Zwischen den Schellergruppen ziehen auch alle anderen Teilnehmer zum Hotel Post, die Bärengruppe, die Karner, die Hexen, ebenso alle Wagen und Sängergruppen. Als Letzter zieht der 1. Scheller mit seiner Gruppe auf.

Der Aufzug ist die beste Gelegenheit die Masken und Gruppen zu fotografieren und zu filmen. Die Masken und Gruppen sind nun alle im Hotel Post versammelt, keine einzige Maske darf sich nun mehr im Freien aufhalten.

Der Kampf – Frühling gegen Winter

Alles wartet nun gespannt im Saal und im Hausgang des Hotel Post, jeder zittert und fiebert dem großen Auftritt entgegen. Nach dem letzten Schlag des Zwölfuhrläutens wird es lebendig, als erste kommen die Schnöller aus dem Tor und beginnen mit ihrer Tätigkeit. Nun stürzen die Sackner mit lautem Jauchzen aus dem Tor, drehen sich im Kreis, schwingen ihren Sack und machen den Platz frei. Den Sacknern folgen die Spritzer und beginnen im Kreis zu tanzen. Der erste Kehrer erscheint unter dem Haustor, verneigt sich leicht dem Roller zugewandt, springt hoch, beginnt zu tänzeln und zu hüpfen und dreht sich, mit dem Besen kehrende Bewegungen ausführend, dem Platze zu. Der Roller folgt seinem Beispiel, er lädt den Scheller mit einer Verneigung zum Schellen ein. Dieser schwingt nun seine schweren Schellen und schreitet im Schellerschritt dem Platz zu. Die Mayen und Spritzer umkreisen die Gruppe.

Es folgt nun Gruppe auf Gruppe und formt sich zu einem Kreis. Nun ist der Kreis geschlossen, es ist mäuschenstill auf dem weiten Platz. Aus dem Tor tritt der Bärentreiber den Bär an einer Kette hinter sich nachziehend.
„Urio Bärio“ tönt die Stimme des Bärenrtreibers dumpf aus der mächtigen Holzlarve. Der Bär folgt langsam und zaudernd dem Treiber auf den in der Mitte des Postplatzes befindlichen Schneehaufen.
Mit dem schweren Bergstock auf den Boden stampfend und schimpfend geht der Treiber herum. Plötzlich wirft er dem Bären den Stock zu, der Bär hält den Stock mit beiden Pranken über der Brust und dreht sich im Kreis. Der Bärenrtreiber schimpft und wettert; sei „ Urio Bärio“ ertönt immerzu, nun reißt er dem Bären den Stock weg und legt ihm denselben quer über das Genick. Endlich bringt der Treiber den Bären dazu, sich auf die Knie niederzulassen. Der Bär ist nicht aufgelegt einen Purzelbaum, eine Purzegagle, zu machen, der Treiber versetzt dem Bären mehrere Schläge, mit dem Stock auf den Rücken, und endlich hat der Bär seine Purzegagle ausgeführt, nun muss er dasselbe rückwärts machen, was wieder mehrerer Schläge bedarf. Plötzlich springt der Bär auf, fällt den Treiber unter Gebrumm an, und wirft ihn zu Boden. Der Bärenpfeifer springt herbei und tätschelt dem Bären sein Hinterteil. Der Kampf ist entschieden, der Frühling hat gesiegt, die Scheller beginnen zu
schellen alle Masken hüpfen, springen und tanzen, alles ist in Bewegung und freut sich über den Sieg des Frühlings.

Nun folgt die Hexenschar mit der Hexenmusik.  Auch diese führen ihr traditionelles Ritual auf und leisten der Hexenmutter ihren Treueschwur.  Dann verlassen sie den Kreis am Postplatz mit lautem Geschrei!  

Der Umzug:

Nun löst sich der Kreis aus und formiert sich zum Umzug. Der Zug setzt sich in Richtung Majenbrunnen in Bewegung, Von den steilen Felswänden hallt es wider: der dumpfe Klang der Schellen, das helle Klingen der Rollen, die Juchzger der Sackner, der scharfe Knall der Goasln,, das Geschrei der Hexen und Karner , dieMusik und die Lieder der Wagengruppen und Sänger. Es ist ein herrliches Bild, wenn der Zug vom Postplatz herunter kommt, die vielen bunten Farben der Kostüme, die wehenden Bänder der „Schiene“ die herrlichen Larven und eben die dazugehörige Klangkulisse, machen die Einzigartigkeit der Nassereither Fasnacht aus.

Das Einführen:

Am Postplatz angekommen wird nochmals ein Kreis aufgeführt. Anschließend an diesen Kreis beginnt das Einführen, das wie folgt geschieht: Der Kehrer verneigt sich vor dem Geehrten, dieser hängt sich beim Scheller ein und sie begeben sich zu den vor dem Hotel Post aufgestellten Kassen. Auf dem Weg dorthin wird geschellt, alle zur Gruppe gehörenden Masken tanzen und springen. An der Kasse erhält der Gast eine Breze und die „Einführmaske“ (eine Fasnachtsmaske im Kleinformat) und hat dafür seinen Obolus zu entrichten. Auch der Bär führt ein, dieser Trägt seinen Gast zur Kasse. Das Einführen ist für den betreffenden eine große Ehreund soll Glück bringen. Auch von anderen Gruppen und von den Wägen wird einem die Ehre zuteil, man wird auf den Wagen geführt und erhält ebenfalls ein Getränk. 

Das Ende des Schellerlaufens:

Inzwischen ist die Dämmerung über das Dorf hereingebrochen, der Zug nimmt vor dem Gemeindesaal das letzte Mal Aufstellung und es geht in Richtung Fasnachtshaus. Es werden die letzten Kräfte mobilisiert, der Weg zum Fasnachtshaus wird wieder schellend, rollend, hüpfend und tanzend zurückgelegt, die letzten, schon etwas heiseren Schreie der Sackner erklingen, ein paar Minuten vor 18:00 Uhr ist das Fasnachtshaus erreicht.

Alle kommen ins Fasnachtshaus, von der nahen Kirche hört man das Betläuten, die Larven werden abgenommen. Müde aber zufrieden auch ein bisschen wehmütig stehen alle im Kreis, man gedenkt der verstorbenen Fasnachtler, schellt noch einmal kurz auf, dann werden die Schellen abgenommen. Nun sind sie verstummt, die Rollen und die Schellen, das nächste Mal hört man sie wieder in 3 Jahren am Dreikönigstag.

Die am Postplatz verbliebenen Wagen und Masken gehen oder fahren kurz vor 18:00 Uhr alle nach Hause oder zu Ihren Standplätzen, die Karner sperren ihre Heimstatt zu. Um 6 Uhr beim Betläuten darf keine Maske mehr zu sehen sein. Dieser Brauch wird streng eingehalten und es hat auch noch nie Überschreitungen gegeben.

Nun ist er vorbei der wichtigste Tag der Nassereither, alle gehen müde nach Haus ziehen ihre Kostüme aus, aber ganz wobei ist er noch nicht der Tag, findet doch abends im Gemeindesaal der Fasnachtball statt. Viele sind „gremmig“, hundemüde und haben Muskelkater aber den Ball darf man nicht versäumen. Noch einmal setzen sich die Gruppen mit Ihren Frauen zusammen und es wird heftig diskutiert, gelobt und getadelt.

Das Fasnachteingraben:

Das Fasnachteingraben findet am „Fasnachterchtig“ (Faschingsdienstag) am Abend statt.
Früher zogen ein paar Masken von Gasthaus zu Gasthaus, schwarz gekleidet wie bei Begräbnissen und beweinten die verstorbene Fasnacht.
In den letzten Jahrzehnten ist die Teilnahme an diesem Ereignis gewaltig gestiegen, heute nehmen weit mehr als 300 Masken daran teil. Die Bahre auf der die Fasnacht in Gestalt eines Ruaßlers liegt, wird von vier Ruaßlern getragen. Der Bahre folgt ein Redner in Frack und Zylinder, dahinter die lange Reihe der Trauergäste. Schwarz umrandete Tücher in ihren Händen und schluchzen und weinen zum Gotterbarmen. Auch Fahnen werden in den Reihen mitgetragen. An mehreren Plätzen des Dorfes wird halt gemacht, der Redner beginnt mit seinen Anrufungen, ähnlich der Litanei in der Kirche:

„Alle ös Schaller, alle ös Roller, alle ös Kehrer usw.“

Nach jeder Anrufung klingt es von den vielen Trauergästen „Mir söche ins wieder.“ Nach dieser Litanei tritt noch ein Chor auf, danach wird von den Schützen Salut geschossen und der Zug geht weiter. Es geht wie üblich bei der Fasnacht um den Majenbrunnen zum Postplatz und endet dort.

Nun ist die Fasnacht endgültig vorbei, eine schöne Zeit geht zu Ende. Alles geht ruhig nach Hause, morgen ist Aschermittwoch, die Fastenzeit und der Alltag beginnt wieder.