Eine Beschreibung unserer Fasnacht.....
Man fragt sich oft, wie kommt es, dass Menschen mit unterschiedlicher Ausbildung und Berufen, mit völlig gegensätzlichen Interessen sich zusammenfinden, um in die Fasnacht zu gehen. Es gibt eben keine Unterschiede, jeder wird gebraucht, jeder ist bestrebt in seiner Rolle das beste zu geben.
Wir müssen froh sein, dass es so ist, denn ohne die Fasnacht wäre Tirol um vieles ärmer. Lebensfreude, Traditionsbewusstsein das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gemeinschaft und auch Heimatliebe sind glaube ich die Triebkräfte warum die Nassereither in die Fasnacht gehen.
Es kommt natürlich die Fröhlichkeit und das gemeinsame Erleben nicht zu kurz, werden doch die Arbeiten, Proben und Sitzungen oft bei einem oder mehreren Gläschen fortgesetzt.
Die Nassereither sind stolz auf ihre Fasnacht, jeder identifiziert sich damit, nur so ist es zu erklären, dass eine Veranstaltung in dieser Größe zustande kommt. Muss doch jeder
Mitwirkende zusätzlich zur Arbeitsleistung oft auch bedeutende finanzielle Opfer auf sich nehmen.
Das Schellerlaufen muss nach altem Brauch genau den überlieferten Regeln entsprechend durchgeführt werden. Wie gesagt der Großteil der Dorfbewohner ist unermüdlich mit den Vorbereitungen
beschäftigt. Aktiv mitwirken bei der Fasnacht dürfen nur Burschen und Männer, jedoch sind die Frauen sicher ebenso, wenn nicht mehr, mit den Vorbereitungen beschäftigt, mit großer Sorgfalt viel
Liebe und großen Zeitaufwand werden die Kostüme genäht, gestickt und mit Verzierungen versehen.
Man kann sagen, ohne Frauen gäbe es sicher keine Fasnacht. Wir vom Komitee haben neben der Organisation des Schellerlaufens die Verpflichtung das alte Brauchtum zu schützen und unverfälscht
an die Jugend weiterzugeben.
Jede der großen Oberländer Fasnachten hat ihre Besonderheiten, das Nassereither Schellerlaufen ist durch die Farbenpracht der Kostüme ebenso bekannt, wie durch die unvergleichlichen Holzlarven
des Nassereither Künstlers Franz Josef Kranewitter, einem Neffen des Tiroler Dramatikers Franz Kranewitter, die Hauptmasken der Nassereither Fasnacht kommen aus seinen Händen.
Einmalig auch der Kampf des Bärentreibers gegen den Bär, ein Schauspiel voll Urwüchsigkeit, Symbolik und Mystik. In einem verschneiten Dorf, mitten auf dem Dorfplatz, im Kreise vieler
wunderschöner Masken findet der Kampf des Winters gegen den Frühling statt, wo gibt es auch nur Ähnliches sonst noch zu sehen?
Es ist selbstverständlich, dass nur in Nassereith in die Fasnacht gegangen wird, es wäre undenkbar, dass in anderen Orten Nassereither Masken auftreten. „ Die Fasnacht keart is Dorf und wer
se seche will soll kemme“.
(Die Fasnacht gehört in das Dorf und wer sie sehen will soll kommen)
Es ist auch keine Fremdenverkehrsattraktion sondern eine ernste Angelegenheit und eben etwas was den Nassereithern wirklich am Herzen liegt. So wurde auch ein Auftritt bei den Olympischen
Spielen in Innsbruck ganz selbstverständlich abgelehnt.
Noch etwas ist charakteristisch für die Nassereither Fasnacht, es gibt keine Ausschweifungen und Exzesse, alles läuft ordentlich und sauber ab, das abendliche Betläuten beendet die Fasnacht, bei allen Veranstaltungen wird Rücksicht auf die Kirche genommen, während der Gottesdienste werden keine Veranstaltungen durchgeführt.
Dass diese Trennung von Kirchlichem und Profanem schon früher so war schreibt Dr. Norbert Mantl in seinem Buch „ die alte Nassereither Fasnacht“
Einmal ging ein in Nassereith ansässiger nicht katholischer Ausländer am Unsinnigen als Kapuziner. Eifrig Brevier lesend ging er langsam durch die Straßen und jedermann grüßte, obwohl man sich
wunderte, dass heute ein Kapuziner ins Dorf kam. Als man ihn schließlich doch erkannte, wurde er in einer allgemeinen wilden Jagd ins Moos hinabgetrieben, wo er seinen Verfolgern entkam.
Nicht so kleinlich und genau war man gegenüber der weltlichen Obrigkeit, Dr. Mantl weiter:
Über polizeiliche Fasnachtsverbote, die aus anderen Orten urkundlich bekannt sind, gibt es in Nassereith noch Erinnerungen. Der alte „Soafeler“ erhielt einmal 24 Stunden Arrest weil er trotz
Verbot Bär gegangen war. „Der Bär muaß gia, seis wie´s will“ Er kam vor Gericht, gab aber den Treiber, den Pfeifer und den Sammler das sind die Masken die zur Bärengruppe gehören, nicht an;
er wisse nicht, wer sie gewesen sind, sie hätten sich nur so zusammengefunden.
Eine Tatsache ist es, die die Nassereither Fasnacht von anderen Fasnachten unterscheidet und hervorhebt, das sind die Larven. Larven werden bei uns die Holzmasken für die einzelnen
Figuren genannt. Einzigartig an Symbolkraft und Ausdrucksform, sind es Kunstwerke die man sonst nirgends findet. Der Bärentreiber, die Hexenmutter, die Scheller- Roller- und Kehrerlarven,
die Sacknerlarven und besonders die Larven für die Karner sind einmalige Kulturgüter worauf die Nassereither mit Recht stolz sind.
Diese Meisterwerke wurden geschaffen von Franz Josef Kranewitter , akad. Maler und Bildhauer und Nassereither Ehrenbürger.
Die Larven mit den eingebrannten Initialen FJK werden mit besonderer Sorgfalt und man kann fast sagen mit Ehrfurcht behandelt.
Franz Josef Kranewitter wurde am 31. Mai 1893 in Nassereith geboren. Er studierte mehrere Jahre an der Akademie für bildende Kunst in Wien. Er ließ sich in Nassereith nieder und schuf viele bedeutende Kunstwerke. Sein künstlerisches Können und die allgemeine Wertschätzung seiner Persönlichkeit wurde anläßlich seines 75. Geburtstages auch offiziell durch die Ernennung zum Ehrenbürger seiner Heimatgemeinde gewürdigt. Am 21. November 1974 starb er an den Folgen eines Schlaganfalles.
Vergessen aber ist er nicht der Franz Josef Kranewitter und wird es in Nassereith auch nie sein, denn immer zur Fasnachtszeit wenn seine Larven von den Wänden genommen und aufgesetzt werden, mit Stolz und Würde von den Masken getragen werden, dann wird einem wieder so richtig bewußt, was wir und die Nassereither Fasnacht an Kranewitter verloren haben. Der Name Franz Josef Kranewitter wird mit der Nassereither Fasnacht für immer verbunden bleiben.
Bis nach dem ersten Weltkrieg ist man jedes Jahr in die Fasnacht gegangen und zwar am „ Unsinnigen Pfinztag“ das ist der Donnerstag vor dem Ascher-mittwoch. Im Jahr 1925 wurde der Zweijahres
-Rhythmus eingeführt,
1939 war die letzte Fasnacht vor dem Krieg, bereits 1947 gab es mit Zustimmung der französischen Besatzung wieder eine Fasnacht, Fasnacht im Jahr 1926
1951 wurde der Name Schellerlaufen eingeführt und der Termin auf den Sonntag verlegt. Seit 1974 findet das Schellerlaufen nun alle 3 Jahre statt.

